Die Bahn ist pünktlich!

Doch leider nur in ihren eigenen Zeitplänen

„Die Eisenbahnstrecke zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven wird weiterhin durchgehend zweigleisig ausgebaut. Damit soll sicher gestellt werden, dass mit Inbetriebnahme des JadeWeserPorts die Güter, die künftig hier verladen werden, umweltfreundlich und pünktlich auf der Schiene an- und weitertransportiert werden können.“ Aufmerksame Leser dieser Bahninformation vom 20. August 2012 rieben sich verblüfft die Augen: „Pünktlich mit der Inbetriebnahme …?“ – Tatsächlich! Die Wasserstandsmeldungen über den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Bremen und dem JadeWeserPort liefern regelmäßig Verblüffendes.

Zuletzt stand das Jahr 2020 im Mittelpunkt einer Information der DB Netz AG. Bis dahin nämlich soll nun die Strecke von Sande nach Wilhelmshaven ausgebaut und elektrifiziert werden. „Die dafür benötigte Maschine gibt es nur zwei Mal in Europa, und die sind nicht ständig verfügbar“ – hieß es zur Begründung, warum der Ausbau des letzten Teilstücks der Strecke von Wilhelmshaven nach Oldenburg erst 2016 in Angriff genommen wird.

„Das wirft natürlich die Frage auf, was in den Jahren 2014 und 2015 an der Strecke gemacht wird?“, zitiert die Nordwest Zeitung den Regionalvorsitzenden des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Hans-Jochaim Zschiesche. Und weiter:„Was wird denn überhaupt anders als beim Ausbau zwischen Varel und Rastede gemacht?“ Der Fahrgastverband hatte danach im Internet in die Planfeststellungsunterlagen geblickt und festgestellt, dass tatsächlich nichts anders gemacht werde, als vorher auch und man dabei auch keinen Grund für die lange Bauzeit erkennen konnte. „Die DB Netz- und Projekt AG sollte doch die Öffentlichkeit aufklären“, fordert Zschiesche demnach.

Noch deutlicher urteilt niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies: „Der Fertigstellungstermin für den Streckenausbau Wilhelmshaven-Oldenburg im Jahr 2020 ist ein Witz!“

Mit den erneuten Verzögerungsmeldungen setzt sich etwas fort, was bei der Bahn AG und ihrer Tochter Netz AG in Sachen JadeWeserPort Tradition besitzt. „Wir wissen selbstverständlich noch nicht, wie viele Container während der kommenden Jahre mit der Bahn zum JadeWeserPort oder aus Wilhelmshaven ins Binnenland transportiert werden“, stochert noch 2012 die DB-Netz AG im Nebel. Doch mit 36 Containerzügen und bis zu zehn Kohlenzügen täglich rechne man. Und dies, während die Strecke, auch in den Städten Bremen und Oldenburg, weitgehend als Baustelle eingerichtet ist.

„Völlig planmäßig“, so lies das Staatsunternehmen verlauten, verlaufe der zweigleisige Ausbau sowie die Elektrifizierung der Strecke. Und planmäßig bedeutet, dass während der kommenden Jahre es noch ganz erhebliche Behinderungen für den Cargoverkehr auf der Schiene geben werde.

„Dies ist alternativlos“, heißt es bei der Bahn, ansonsten hätte man wichtige Industriebetriebe komplett von der Schiene trennen müssen. Deshalb sei der Ausbau quasi die Operation am offenen Herzen. 2013 etwa, so wurde angekündigt, sollte es Komplettsperrungen an drei Nächten pro Woche geben. Zudem seien etwa ein Dutzend Totalsperrungen an Wochenenden wegen „notwendiger Brückenarbeiten“ geplant. Unterbrochen sei in diesen Zeiten selbstverständlich nicht nur der Güter-, sondern auch der Personenverkehr.

Immerhin noch 2013 sollte das Planfeststellungsverfahren für die durchgehende Elektrifizierung gestartet werden. Erwartetes Ende der Bauarbeiten: frühestens 2018! Eine feste Finanzierungszusage dafür gebe es noch nicht, Widerstand beim Bund werde jedoch nicht erwartet.

Bis dahin soll der Bahnverkehr in Wilhelmshaven für mehrere Monate komplett zum Erliegen kommen. Auch der Personenverkehr. Über die praktischen Folgen dieser Sperrung liegen noch keine gesicherten Informationen vor.

Doch gibt es auch positive Informationen der DB Netz AG: „Ab Schortens Weißer Floh bis Wilhelmshaven wurde der digitale Zugfunk (GSM R) als technisches Netzzugangskriterium festgelegt.“ Na also! Geht doch …

Ein Gedanke zu „Die Bahn ist pünktlich!“

  1. Satire vom Feinsten:
    Olaf Lies verkündet Bauzeitende vielleicht im Sommer 2022 !
    Bauzeit für die riesige Öresund-Brücke mit Anbindungen an das Schienen – u. Straßennetz 5 Jahre !

    Nur keine Hektik

    Eckard Kröner

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