Wilhelmshaven – Göteborg – Danzig?

Da geht was vorbei – an Hamburg und der Elbe

„Das größte Containerschiff der Welt“ – findet man in den Medien während der vergangenen zwei Jahre auffallend häufig. Das ist fast wie eine Inflation. Wer da nicht aufpasst, kann da schnell mal den Überblick über die Superlativen verlieren. Und fast immer spielen Hamburg und die längst überfällige Elbvertiefung mit. Aber nicht immer. Das hängt manchmal auch an der Kompetenz der Berichterstatter. „Größtes“ ist eben „größtes“! Aber was ist da groß? Länge, Breite, Tiefgang, Container-Kapazität, tatsächliches Ladungsvolumen? „Die Schiffe sind nicht voll beladen, wenn sie den Hamburger Hafen anlaufen“, schrieb jüngst Zeit online über die Munich Maersk aus der Tripple-E Klasse der dänischen Reederei, die mal wieder mit 20.568 das (vorübergehend?) „größte Containerschiff“ war, das „jemals den Hamburger Hafen angelaufen hat“.

Doch was ist mit der OOCL Hong Kong, die mit einer Containerkapazität von 21.413 Standardcontainern angegeben ist? War die etwa nicht in Hamburg, dem „Drehkreuz des Nordens“ – jedenfalls in der Containerwelt? „… jemals den Hamburger Hafen angelaufen hat“ überliest sich schnell in den Artikeln und spektakulär aufgemachten Pressemitteilungen.

Als die OOCL Hong Kong vier Wochen vor dem Hamburg-Besuch der Munich Maersk den Jadeweserport in Wilhelmshaven anlief, kam sie nicht aus Hamburg und legte auch anschließend keinen Stopp elbaufwärts ein. Der 400 Meter lange und 60 Meter breite Containerriese hatte zuvor am neuen Containerterminal in Danzig festgemacht! Danzig? Ist das nicht dort, wo früher die kleineren Frachter hinfuhren, die zuvor ihre Ladung in Hamburg übernommen hatten? Ja, feedern nennt man das. Vom Größeren auf den Kleineren und damit von der Weltmetropole aus in die Häfen der Ostsee. Das ist ein großer Teil des Hamburger Hafenumschlags-Geschäftes seit…… ja eigentlich schon immer.

Doch benötigen wir denn eigentlich noch die Elbvertiefung, um die seit Jahren vor den Verwaltungsgerichten der Republik gestritten wird? Vor allem vor dem Hintergrund, wenn rund jeder zweite in Hamburg gelöschte oder geladene Container gar nicht für die Hansestadt bestimmt ist und per Schiff oder Containerzug weitertransportiert wird? Ginge das nicht mindestens genauso gut in Wilhelmshaven?

Die Munich Maersk lief anschließend an Hamburg übrigens nach Göteborg aus. Göteborg?? Ist das nicht einer der Häfen, zu denen … Aber warten wir doch einfach mal ab, bis das nächste Mal “das größte, jemals …“ in den Schlagzeilen landet.

Übrigens: Die französische Reederei CMA CGM beabsichtigt nach verschiedenen Medienberichten noch im August Containerschiffe mit einer Tragfähigkeit von 22.000 Standardcontainer (20 Fuß = 1 TEU) bei Werften in  Südkorea oder China in Auftrag zu geben. Die Superlativen finden also kein Ende.

Foto: Maersk

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