Wie viele Häfen braucht das Land?

Der Balzkampf um die Offshorehäfen
nimmt teilweise absurde Züge an

“Wer bisher glaubte, das Bremen als Bundesland absolut Pleite und deshalb formal richtig ein Haushaltsnotlageland ist, wird regelmäßig eines Besseren belehrt! Nachdem der Stadtstaat sich monatelang vergeblich um Investoren für ein Offshore-Terminal in Bremerhaven bemüht hatte, wurde eine neue Finanzierungsquelle gefunden: “Einsparungen im Wirtschaftsressort”, sollen nun die angepeilten 180 Millionen Euro aufbringen. Und die sollen trotz des Bremserbeschlusses der großen Koalition in Berlin für die Offshore-Windenergie auch investiert werden.
Das überraschend gefundene Finanzpaket stellt an der Küste durchaus keine Seltenheit dar. Auch die anderen Küstenländer wollen gerne mit politischer Phantasie an dem dennoch erwarteten Operationsvolumen der Windenergie-bauer und -betreiber teilhaben. Selbst an der Westküste von Schleswig-Holstein möchten Wirtschaftsförderer gerne Offshore-Service betreiben – vorbei an Watten und Halligen.

Erst im Dezember 2013 sah sich der „Lenkungskreis der schleswig-holsteinischen Hafenkooperation Offshore-Häfen Nordsee“ in seiner Annahme bestätigt. Danach benötigen auch die aktuellen Ausbauziele der Offshore-Windernergie ausreichende Hafenkapazitäten, ebenso wie logistisches Know-How. Die Häfen an der Westküste sowie am Nord-Ostsee-Kanal sieht der Lenkungskreis deshalb sehr gut aufgestellt. Mit der Insel Helgoland, die als Servicehafen für die komplette Deutsche Bucht gesetzt ist, sind die Schleswig-Holsteiner ohnehin mit im Boot.

Stellungnahmen, welche Häfen außerdem für das Offshore-Geschäft aktuell und zukünftig zu den wichtigsten und den bedeutendsten gehören, gibt es reichlich. Politiker, Kammervertreter, Verbandsfunktionäre und Unternehmerverbände sind sich sicher, dass “ihr” Hafen eigentlich schon jetzt dazu gehört.
Der Wettbewerb lauert nicht nur in der direkten Nachbarschaft. Im dänischen Esbjerg oder im niederländischen Ijmuiden lauern die Wirtschaftsförderer teilweise seit mehr als 20 Jahren auf die Offshore-Windmühlen. Und das alpha ventus-Testfeld entstand nicht in Deutschland, sondern im niederländischen Eemshaven. Dieser, auch von der Meyerwerft genutzte Hafen, liegt exakt gegenüber von Emden in der Emsmündung. Und eben genau gegenüber des Rysumer Nackens, auf dem die Emder gerne Ihren zukünftigen Hafen bauen würden.

Folgen wir der West-Ost-Route:
In Emden musste man inzwischen leider, kurz nach der Erneuerung der großen Seeschleuse, feststellen, dass diese leider zwei Meter zu schmal für die bisher gebauten Offshore-Errichterschiffe ist. Die Folge: Die bis zu 950 Tonnen schweren Tripods, die Füße der Offshore-Windmühlen, müssen im Außenhafen verladen werden. Der ist aber zuvor erst einmal mit erheblichem Aufwand zu ertüchtigen. Emden profitiere davon, so ist die IHK für Ostfriesland und Papenburg überzeugt, dass die allermeisten Projektionsflächen für die Windenergie vor der ostfriesischen Küste lägen. Wir produzieren ja schon”, findet die IHK und stellt fest, dass mit dem Bau eines neuen Hafens auf dem sogenannten Rysumer Nacken alles nur besser werden könne.
in Wilhelmshaven ist das Schleusenbecken in den Innenhafen immerhin 57 Meter breit, und damit von den Errichterschiffen mit 42 Metern Breite passierbar. Die als möglicher Offshore-Terminal gewählten Flächen liegen im Innenhafen, verfügen über eine ausreichende Statik und haben sich beim Verschiffen von alpha ventus-Tripod für das Testfeld bereits bewährt.
Die aktuellen Pläne von Unternehmen aus der Offshore-Branche sehen in Wilhelmshaven vor allem den Platz für Monate- und Instandhaltungsflächen sowie für Serviceeinrichtungen. Aktuell bereits installiert ist der Hubschrauber-Service für Arbeitsunfälle und Notlagen im Zusammenhang mit den Offshore-Anlagen. Nach Schätzungen des Haveriekommandos werden zukünftig immerhin ständig etwa 1.800 Arbeitskräfte im Bereich der Deutschen Bucht auf den Plattformen tätig sein.
In Bremerhaven wird aktuell das meiste Geld ausgegeben. Für 180 Mio. Euro, etwa soviel, wie auch in Cuxhaven während der vergangenen Jahre investiert wurde, soll ein Offshore-Terminal neu gebaut werden. Direkt an der Weser wird der Hafen platziert. Die breite Betonschneise für den Transport von den Bau- und Montageplätzen dorthin war bisher noch die Start- und Landebahn des örtlichen Flughafens, der für die Windkraft verschwinden musste.
80 Hektar groß ist die Fläche, die vorsorglich schon mal als “Norddeutsches Zentrum für die Produktion und Montage von Offshore-Windkraftanlagen” vermarktet wird. Zum Konzept gehören danach auch drei Teststandorte im Norden der Stadt, unmittelbar an der Nordsee (Außenweser, d.R.), die für Testmühlen angeboten werden.
Ein ordentliches Pfund wirft Bremerhaven mit seinen Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen in die Waagschale – von Fraunhofer bis Uni Bremen – die die beachtliche Liste von Produzenten und Zulieferern ergänzt.
In Cuxhaven wurde bereits 2007 eine geeignete Schwerlastplattform gebaut, mit ausreichender Statik und direkter Zufahrt zu 15.000 qm Schwerlastlagerflächen. Bereits im Frühjahr 2009 wurde das Offshore-Terminal an der Elbmündung eingeweiht und die Zahl der Liegeplätze davor erweitert.
In der Ostsee ist der Kreis von Bewerbern deutlich kleiner. Reelle Chancen werden eigentlich nur Sassnitz eingeräumt. Mit dem Bau der “Windpower Offshore Base Mukran” – 60.000 qm groß, Flächentragfähigkeit 50t/qm, 1 Liegeplatz mit 365 m Länge – liegt Sassnitz voll im Plan. Gleich nebenan liegt eine Logistikfläche mit 80.000 qm, unter anderem für den Bau von Tripods. Gute Chancen, das Rennen um den bevorzugten Hafenplatz zu machen, werden Sassnitz und seinem Ortsteil Mukran auch deshalb gemacht, weil nicht weniger als 10 Offshore-Windparks im Radius von maximal 30 Seemeilen um die Nordostspitze der Insel Rügen gebaut werden sollen, oder deren Genehmigungsverfahren bereits angelaufen ist.

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