Giga-Liner – Fluch oder Segen?

Ein Drittel mehr Transportkapazität:
Sie sind länger als 25 Meter und setzen jede Menge Emotionen frei: Die Giga-Liner oder Lang-LKW, die nach dem Willen des Bundesverkehrsministers in einem fünfjährigen Feldversuch getestet werden. Niedersachsen gehört  zu den testenden Bundesländern und in der langen Liste der freigegebenen Straßenabschnitte findet sich auch die Autobahn A29 vom Terminaltor in Wilhelmshaven bis zum Ahlhorner Dreieck. Statt 40 können dann 60 Fuß transportiert werden. Die Einsparung ist vielfältig und enorm und in Bremerhaven von der Politik verhindert.

Beim mittelständischen Spediteur Friedrich A. Kruse in Brunsbüttel war großer Bahnhof angesagt: Drei Landtagsabgeordnete, den Bürgermeister und sogar den Vizepräsidenten des Verbandes der Automobilindistrie Bernhard Krone konnte der Unternehmer Friedrich A. Kruse auf seinem Firmengelände unweit der Brunsbütteler Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals begrüßen. Der Anlass:

Emigholz-Eröffnung am 9. Juni 2012 in Wilhelmshaven.Acht Achsen für mehr Ladung bei weniger Achsdruck: Ein Krone-Gigaliner anlässlich der Eröffnung des Wilhelmshavener Betriebes von Emigholz der Reifentreff.

Kruses erster Gigaliner, der zugleich auch Hamburgs erster Gigaliner am Containerterminal war.

Er selbst habe es sich nicht nehmen lassen, den jüngsten unter seinen Lastzügen zum TÜV nach Heide zu fahren. „Problemlos“ sei dies gewesen, auch in Kreisverkehren, so Spediteur Kruse. Für den Hafen Hamburg, der die Zufahrt zum Terminal wegen einer engen Autobahnabfahrt erst im zweiten Anlauf genehmigte, bringt der Giga-Liner ein Drittel weniger Verkehr. Statt eines 40-Fuß oder zweier 20-Fuß-Container zu transportieren, schafft der Kruse-Gigaliner je einen der beiden Standardgrößen – also 60 Fuß insgesamt – begrenzt auf 40 Tonnen Gesamtlast (44-Tonnen im kombinierten Verkehr). „Wir sparen jede dritte Fahrt ein“ ist von den Brunsbüttelern zu hören.

Laster

60 Fuß auf einen Streich … Der erste Giga-Liner bei Kruse in Brunsbüttel und zugleich der erste dieses Großversuchs, der täglich den Hamburger Hafen anläuft.  Foto: Krone

Befürworter des Giga-Liners setzen darauf, dass diese Lastzüge ihr Gewicht sogar straßenschonender auf den Asphalt bringen – mit sieben statt wie bisher fünf Achsen. Und selbstverständlich kommen sie, so heißt es, nicht in der Stadt und auf engen Straßen zum Einsatz. Für den Verkehr zu den großen Logistik-Zentren direkt an den Autobahnen überall in der Republik sei dieser Transport jedoch umwelt- und ressourcenschonend.
Ob auch das Bremer GVZ und der Neustädter Hafen mit dem größten Hochregallager Europas (150.000 Palettenplätze für Tchibo) dauerhaft zum genehmigten Streckenabschnitt zählen werden, ist noch nicht klar. Es findet der Versuchsbetrieb statt. Es bleibt abzuwarten, ob der rot-grüne Senat sich langfristig den Tchibo-Wünschen widersetzen wird.

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